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Wissenswertes – Empfehlenswertes

Unter dieser Rubrik finden Sie zukünftig aktuelle Informationen, die Sie (hoffentlich) inspirieren, Ihnen neue Denkanstöße geben, Sie schmunzeln lassen und die Sie immer mal wieder einladen, mich zu besuchen. Ich freue mich, wenn Sie vorbeischauen und auch über Rückmeldungen!

Empfehlenswertes:
Konflikte in Paarbeziehungen.
Ein Beitrag von meiner Kollegin Ingrid Voßler, Kasseler Institut für systemische Therapie und Beratung e.V.http://www.kasselerinstitut.de

Emotionale Verbindung statt Konfliktlösung?
Die Idee, zuerst Konflikte zu besprechen oder zu bearbeiten oder zu lösen, damit sich dann eine erwünschte Verbesserung der Beziehungsqualität einstellen kann, scheint auf wackligen Füssen zu stehen. Alte und neue Erkenntnisse aus der Paarinteraktionsforschung (Gottmann), der Wirksamkeitsforschung von Paartherapie sowie der Emotionsforschung legen nahe: Nicht die Bearbeitung von Konflikten, sondern zunächst die (Wieder-) Herstellung von Kontakt und emotionaler Verbindung zwischen den Partnern ermöglicht positive Bewegung in der Paarbeziehung. 
Die Fähigkeit nach konflikthaften Auseinandersetzungen eine Wiederverbindung mit dem Partner oder der Partnerin herzustellen, scheint hier der Schlüssel zu sein. Viele Paarkonflikte lassen sich inhaltlich nicht auflösen. Gottmann unterscheidet beispielsweise zwischen „lösbaren“ und „ewigen“ Problemen. „Ewige“ Probleme sind sozusagen partnerschaftliche Großthemen, die allen Lösungsversuchen trotzen. Diesen kann das Paar wiederum trotzen, indem es sich entscheidet, damit zu leben. Paartherapeutisch gesprochen ist nicht das Problem das Problem. Letztlich entscheidend ist die Beziehung, die das Paar oder die beiden einzelnen Partner zum Problem eingehen. So kann es einem Paar gelingen, mit einem „ewigen“ Problem gut miteinander zu leben, sich einander emotional zuzuwenden und eine verbindende und verbindliche Beziehung zu führen.
Manche Paare brauchen für dieses Gelingen paartherapeutische Unterstützung, um aus gekränktem Schweigen und Rückzug wieder in Kontakt gehen können in einer sicheren Situation ohne Angst, von zu starken Gefühlen überflutet zu werden.
Andere (erfahrene) Paare, trauen sich, in Kontakt und Begegnung miteinander zu gehen und erleben intensive Nähe und Intimität durch gegenseitige Angebote emotionaler Verbundenheit.
Für systemische PaartherapeutInnen kann es hilfreich sein, den Aufmerksamkeitsfokus zu verändern: Weggehen von der Strategie, den konfliktbedingt negativen Affekten des Paares durch Interventionen begegnen zu wollen, die auf kognitive Kontrolle der Emotionen zielen. 
Stattdessen könnten wir experimentieren, inwieweit Dialoge und Handlungen zur Wiederherstellung der emotionalen Verbindung des Paares als grundlegende Priorität die spätere Bearbeitung inhaltlicher Konfliktthemen sehr viel leichter und konstruktiver ausfallen lassen.